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CD-Rezensionen

Leipziger Volkszeitung 05.02.2003

Stille Künstler mit dem berühmten Feeling

Last Fair Deal haben und spielen den Blues / Party zur neuen Platte am 22. Februar im Geyserhaus


Ende der 80er Jahre kam der schon damals diabolische Barde Jens Paul Wollenberg auf der Flucht vor der Quedlinburger Kleinstadt-Staatsmacht in Leipzig an. Er brauchte dringend die Anonymität der Großstadt und eine neue Band. In dieser lernten sich Jörg Schneider und Thomas Hanke kennen und entdeckten ihre gemeinsame Liebe zum Blues.

Damit ist jedoch nicht jene Begriffsdecke gemeint, unter die in den vergangenen Jahren von der Traurig-Schnulze bis zum Gitarrenrock so ziemlich alles gekehrt wurde. Gemeint ist das, was John Lee Hooker, T-Bone Walker oder Muddy Waters unter Blues verstehen oder verstanden. Ohne Wenn und Aber, dafür mit der Blue-Note und diesem berühmten Feeling, das eigentlich nur nachempfinden kann, wer es ohnehin schon hat.

Last Fair Deal machen in Leipzig nicht viel Aufhebens um sich und ihre Musik aber sie haben in ganz Deutschland im vergangenen Jahr 70 Konzerte gespielt. Davon können nahezu alle Kollegen hier zu Lande nur träumen. Die Musik des Gitarre-Harp-Duos ist eher unspektakulär, zumal der Tradition folgend nur wenige Eigenkompositionen gespielt werden. Doch die kleine, sachkundige Szene erkennt echte Klasse sehr genau: Wo immer sie spielen, werden sie erneut gebucht; Für dieses Jahr sind die ersten Konzertfolgen in Holland und Belgien geplant.

Für seine erste CD Acoustic Blues hat sich das Duo zum Quartett verstärkt: Franz Schwarznau (Kontrabass) und Peter Krutsch (Schlagzeug) sind ein eingespieltes Rhythmusteam, das sich blind versteht und die Vibrationen der beiden Frontmänner sensibel aufnimmt und untermauert. Live zu erleben ist das am 22. Februar bei der Record-Release-Party im Geyserhaus.

Der Blues, sagen viele, sei ein alter Hut und überholt. Dabei hat er urwüchsige Vitalität schon viel länger bewiesen als alle, auch die ältesten Spielarten von Popmusik. Und wenn dort gerade Männer wie Johnny Cash en vogue werden, sind in drei Jahren vielleicht auch mal wieder Bernhard Allison, Charlie Musselwhite oder an der Pleiße Last Fair Deal dran, für hip befunden zu werden. Sie werden sich wenig drum kümmern.


Peter Matzke, Leipziger Volkszeitung

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