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Interview

Ein guter Blues-Song lebt ewig

Delitzsch. Last Fair Deal, eine der aktivsten Blues-Bands Deutschlands, macht am Sonnabend mit ihrer Quartett-Besetzung in der Schenkenberger Pfarrscheune Station. Die Kreiszeitung sprach im Vorfeld des Konzertes mit den beiden Gründern der Leipziger Band, Jörg Schneider (Gesang, Gitarre) und Thomas Hanke (Mundharmonika).


Seit wann gibt es Last Fair Deal und wie sind Sie auf diesen Namen gekommen?

Jörg Schneider: Die Band gibt es seit 1991. Last Fair Deal ist ein Song von Robert Johnson, einem der ältesten Protagonisten der Blues-Szene. Johnson hat das Stück bereits 1937 eingespielt. Uns gefällt seine archaische Musik. Da wir uns seinem Stil nahe fühlen, fanden wir, dass Last Fair Deal ein passender Name für die Band ist.

Wie viele Konzerte geben Sie im Jahr und wo?

Jörg Schneider: Es sind wohl so zwischen 70 und 80. Mit steigender Tendenz. LFD gibt es live als Duo und als Quartett. Wir touren in allen Bundesländern, spielen in Clubs, Kneipen und auf Festivals.

Gibt es denn so viele Blues-Clubs und Festivals?

Thomas Hanke: Es gibt schon einige. Wir spielen aber auch in Jazz-, Folk- und Mainstreamclubs.

Ist Blues eigentlich noch zeitgemäß?

Jörg Schneider: Was ist zeitgemäß? Wir sind in unseren Ansichten vielleicht auch nicht zeitgemäß, aber trotzdem gibt es uns. Blues wurde nie von so vielen Leuten gehört wie Popmusik. In den Medien fristet er ein Nischendasein. Es gab mal mehr, mal weniger Anhänger. Aber die Faszination dieser Musik erreicht die Leute seit mehr als hundert Jahren. Es scheint also so zu sein: Ein guter Blues-Song lebt ewig.

Was hat diese Musikrichtung, was andere nicht haben?

Thomas Hanke: Er ist die, die uns emotional am meisten bewegt. Deshalb ist er die Basis unserer Musik. Aber wir sind keine reinen Blues-Puristen, die sich nur auf das Nachspielen alter Stücke beschränken. Es gibt eigene Songs und es gibt beispielsweise Einflüsse von Jazz und Latino.

Ist es das, wodurch Ihr besonderer, eigener Sound entsteht?

Jörg Schneider: Das kann man schon so sehen. Unser Quartett entstand ja im Prinzip aus zwei eigenständigen Duos. Ich bin mit Thomas seit über zehn Jahren in der klassischen Besetzung Gitarre, Gesang, Mundharmonika unterwegs. Franz und Peter sind eine eingespielte Rhythmusgruppe, die seit sieben Jahren zusammen arbeiten. Sie haben eine eigene Band: Cape. Und sie haben gemeinsam und jeder für sich in verschiedenen Bands gespielt, von Pop, Rock über Independet bis hin zum Jazz. Diese Symbiose aus beiden Duos macht den Sound facettenreich und spannend. Das ist einfach supergeil.

Im vergangenen Jahr erschien Ihr erstes Album Number One. Wann kommt Nummer zwei?

Thomas Hanke: Wir beginnen gerade mit den Aufnahmen. Wenn alles gut geht, ist die CD Ende des Jahres fertig.

Was muss ein Stück haben, damit Sie es covern?

Thomas Hanke: Der Song muss uns gefallen und bei uns eine eigene Idee zur Interpretation auslösen. Wir müssen einen persönlichen Bezug finden.

Es fällt immer weniger Geld für Kultur ab. Bekommen Sie beim Touren davon auch etwas mit?

Jörg Schneider: Natürlich. Es ist traurig, wenn mehr und mehr kulturelle Einrichtungen schließen müssen. Zum Glück gibt es aber in der Blues-Szene immer wieder Enthusiasten, die mit viel Engagement dieser Entwicklung entgegenwirken. Viele beweisen, dass Konzerte mit hohem Niveau bei fairen Preisen auch ohne Fördermittel möglich sind. Aber es gibt auch genügend Veranstaltungen, die ohne Födermittel einfach nicht zu machen sind. Da geht oft einfach kein Weg dran vorbei.

Interview: Stefan Bertram, Leipziger Volkszeitung, Ausgabe Delitzsch


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