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CD-Rezensionen

Kreuzer Das Leipziger Stadtmagazin 12/2004

Guter Deal

Lichte Momente für die Leipziger Bluesszene: Last Fair Deal mit neuem Album


Treffen sich Post-Rock und Blues. Sagt der eine zum anderen: Immerhin haben wir dieselbe Rhythmusgruppe. Klingt wie ein Scherz, stimmt aber. Post-Rock, dafür stehen in diesem Falle Cape. Zwei Viertel der Leipziger Band, nämlich Franz Schwarznau am Kontrabass und Peter Krutsch am Schlagzeug, spielen bei der besten Blues-Adresse der Stadt, Last Fair Deal. Diese Verbindung mag auf den ersten und zweiten Blick merkwürdig wirken und dann zumindest noch erstaunlich. Die Irritation legt sich, sobald man sich näher mit Last Fair Deal beschäftigt. Denn mit dem Blues-Klischee, was mitunter in einigen Köpfen herumschwirrt, hat das Ganze wenig gemein. Was unter der Federführung von Thomas Hanke (Mundharmonika) und Jörg Schneider (Gesang/Gitarre) entsteht, ist weder Muckertum noch akustisches Malen nach Zahlen. Und auch die Rolle der Blues-Brothers-Clowns auf dem Honky Tonk überlässt man anderen. Natürlich stecken die Wurzeln der Band trotzdem noch tief im Blues-Boden, aber die Einflüsse sind breit gefächert.

Auch Peter Krutsch wurde nicht als Apologet dieses Stils geboren, im Gegenteil: Ich hätte nie gedacht, dass ich mal in einer Blues-Band spiele, sagt er. Die ersten Konzerte habe ich mir ungefähr zur Wendezeit angesehen und das hat mir überhaupt nicht gefallen. Man wusste immer schon nach drei Liedern, wie das vierte klingt, so schematisch war das. Wenn die ersten Berührungen nicht gerade Lust auf mehr gemacht haben wie kommt man dann dazu, Blues zu spielen? Franz Schwarznau wurde gefragt, bracht Peter Krutsch mit, man lauschte den beiden Last Fair Deal-Köpfen. Und war begeistert und berührt.

Tatsächlich vermag die Musik zum Hörer zu sprechen, wie auf dem neuen Album Another Lucid Moment nachzuhören ist. Das Ganze ist sehr schön akustisch und dicht gehalten, und hier passt vielleicht auch die alte Rockjournalisten-Phrase vom erdigen Sound. Bemerkenswert ist außerdem, dass man solange man nicht nachschlägt die Eigen- nicht von den Fremdkompositionen unterscheiden kann. Einerseits fallen die Eigenkompositionen durch konsequent hohes Niveau auf, andererseits werden die Cover dem eigenen Stil mit viel Liebe zum Detail angepasst. So viel Enthusiasmus kann man sich wohl nur bewahren, wenn man seinen eigenen Weg nicht als Partyband in Bierzelten verliert. Dem aber haben sich Last Fair Deal von Anfang an verweigert.

Zur Record Release Party im Geyserhaus kommen als Gäste Abi Wallenstein & Blues Culture. Im Schlepptau von Wallenstein ist auch Steve Baker, der zu den besten Mundharmonikaspielern Europas zählt. Beim letzten Last Fair Deal-Konzert war das Geyserhaus übrigens rappelvoll, deshalb sind die Karten jetzt auf 250 Stück begrenzt, sagt Jörg Schneider als kleinen Hinweis, sich besser rechtzeitig um Karten zu kümmern.

Johannes Künzel

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